11. Juli 2026

Klara-Antonia Csiszar: „Kirche braucht Frauen in Leitungsverantwortung“

Beim hybriden Salon von Frauen.Führen.Kirche am 10. Juli 2026 stand die Frage im Mittelpunkt, wie Frauen heute Verantwortung und Leitungsaufgaben in der Kirche übernehmen können. Zu Gast war die Pastoraltheologin Prof.in Klara-Antonia Csiszar, Dekanin und Vizerektorin der Katholischen Privat-Universität Linz und eine der prägenden theologischen Expertinnen der Weltsynoden 2023 und 2024.

Klara-Antonia Csiszar und Gabriele Eder-Cakl

Pastoraltheologin Klara-Antonia Csiszar mit Gabriele Eder-Cakl, die das Gespräch moderierte. (c) Regina Petrik

 

Schritt für Schritt

An den beiden Weltsynoden haben insgesamt 85 Frauen teilgenommen, erstmals waren 54 davon stimmberechtigt. Vier Teilnehmerinnen kamen aus dem deutschen Sprachraum – darunter die Linzer Pastoraltheologin Klara-Antonia Csiszar als theologische Beraterin. Aus ihren Erfahrungen im synodalen Prozess berichtete sie von einer Kirche, die sich weltweit Schritt für Schritt verändert. Besonders wichtig ist ihr dabei, dass Frauen nicht länger nur Thema von Beratungen sind, sondern selbst Verantwortung übernehmen: „Frauen sollten auch Leitungsaufgaben in der Kirche übernehmen, damit sie mitentscheiden können.“


Dabei darf die Debatte nicht allein auf die Weihefrage reduziert werden. „Wir brauchen eine größere Vision“, betonte die Theologin. Es geht ab sofort schon um die Sichtbarkeit von Frauen, ihre Mitverantwortung in Seelsorge, Leitung und Liturgie sowie um eine Kultur der Gleichberechtigung. „Es geht um die Sichtbarkeit und Gleichberechtigung der Frau – und das darf nicht auf die Weihe reduziert werden.Fortschritte dürfen nicht allein an die Weihe gemessen werden.“


Csiszar lehrt auch in Rumänien. Auch dort in ihrer Lehrtätigkeit erlebt sie einen Wandel. „2011 habe ich meine Studierenden in Rumänien noch selber gefragt, wie sie zum Diakonat der Frau stehen. Zehn Jahre später kommt die Frage bereits von ihnen selbst.“ Daran werde deutlich, dass über die Rolle der Frau in der Kirche nicht nur im deutschsprachigen Raum ein Diskurs geführt wird, sondern weltweit auch in Kontexten, wo dies vor Papst Franziskus noch nicht der Fall war.

 

Präfektinnen heute – und morgen?

Ermutigende Zeichen sieht Csiszar bereits heute. Mit den ersten Präfektinnen an der Spitze vatikanischer Dikasterien habe sich vieles bewegt. „Vor eineinhalb Jahren haben wir noch gerätselt, welches Dikasterium wohl als erstes von einer Frau geleitet werden würde. Heute gibt es bereits drei Präfektinnen am Heiligen Stuhl.“ Mit Blick auf die Zukunft wagte sie eine vorsichtige Prognose: „Momentan sehe ich, dass wir vielleicht früher Kardinälinnen haben könnten als Priesterinnen oder Diakoninnen.“ Die Ernennung zum Kardinal erfolgt durch den Papst und bis in den 20. Jahrhundert hinein war die Ernennung nicht an die Priesterweihe gebunden.

 

Die Vision einer Frauensynode

Auch für den weiteren synodalen Prozess brachte Csiszar neue Impulse ein:

 

„Was wäre zum Beispiel, wenn der Papst eine Frauensynode in Rom einberufen würde, eine Synode über die Rolle der Frauen in der Kirche. Dort könnten Frauen aus aller Welt erzählen und mitberaten, wie sie Kirche, Berufung und Taufwürde in den verschiedenen Kontexten erleben.


Meine Beobachtung ist nämlich, dass die Männer, Bischöfe und Priester in der Regel nicht aus bösem Willen handeln, wenn sie Frauen in vielen Kontexten übersehen. Sie haben schlicht überhaupt keine Vorstellung davon, wie es Frauen in der Kirche geht. Wie es ist, als Frau die Kirche und Gesellschaft zu gestalten, mit der Hierarchie zusammenzuarbeiten und übergangen zu werden. Wie es ist, wenn Wortmeldungen von Frauen überhört werden, aber wenn derselbe Satz direkt anschließend, von einem Mann gesagt und plötzlich gehört wird. Kirchliche Entscheidungsträger leben nämlich zölibatär, und das grenzt auch schon ein, ob, wo und wie sie Frauen zuhören können.


Ich würde Papst Leo XIV. empfehlen, den Raum zu öffnen und in den kommenden Jahren irgendwann für vier Wochen im Licht des Evangeliums die Frauen in den Fokus einer missionarischen Kirche zu stellen und ihnen einfach zuzuhören. Sonst bleiben - so befürchte ich - auch die, im Oktober 2024 im Rahmen der Weltsynode vorgetragenen Schuldbekenntnisse von Kardinälen, die unter anderem das Versagen der Kirche gegenüber Frauen benennen, weitgehend folgenlos.


In meiner Vision bei einer Synode über und mit Frauen müsste es nicht unbedingt um die Frage der Weihe gehen. Es ginge darum, Raum zu öffnen, in dem die Leitung dieser Kirche den Frauen ernsthaft zuhören will. Ich bin überzeugt, dass sich dadurch im Miteinander unserer Kirche noch mehr verändern würde und zwar in absehbarer Zeit.“

Die weltkirchliche Perspektive sei dabei immer entscheidend, denn die Erfahrungen und Herausforderungen von Frauen unterschieden sich je nach Kultur und Kontinent, und gerade deshalb müsse man den Frauen einmal ernsthaft zuhören, so Csiszar.

 

„Bleibt dran!“

Trotz vieler offener Fragen zeigte sich Csiszar hoffnungsvoll. Die Synode hat sie gelehrt, Veränderungen nicht an einzelnen Forderungen festzumachen, sondern am gemeinsamen Weg der Kirche. „Was vom Heiligen Geist kommt, kann nicht aufgehalten werden“, sagte sie mit Verweis auf das Schlussdokument der Weltsynode, Absatz 60. Es braucht mutige Menschen, die Räume der Begegnungen öffnen, es braucht Verbündete und Netzwerke. „Wir sind Mutmacherinnen und Mutmacher“, sagte sie. Ihr abschließender Appell an die Mitglieder des Netzwerks Frauen.Führen.Kirche: „Bleibt dran. Was ihr macht, braucht die ganze Kirche – die ganze Welt.“